Das Sommerleben einer Wasserratte

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2008 - Die Zukunft

Heute sind diese Erlebnisse wunderbare Erinnerungen und stehen an der Schwelle einer neuen Zeit Im Eichelkamp, dem jetzt keine Mauer mehr eine Grenze in westlicher Richtung setzt. Jetzt geht er in die Rolf-Hackenbroich-Straße über, die am Ende der alten Freibadwiese einen Bogen macht und dort auf den Driesch trifft. Die kleine Stichstraße, die früher entlang dieser Mauer den Driesch und den Eichelkamp verbindet, hat sich nicht verändert. Vielleicht wäre es eine schöne Geste, dieser immer noch unbenannten Straße den Namen „Zum alten Freibad“ zu geben.

Ob der ehemalige Bürgermeister Rolf Hackenbroich sich im Himmel darüber freut, dass gerade diese neue Straße auf dem Gelände des ganzen Stolzes der ehemaligen Industriegemeinde Weisweiler nach ihm benannt wurde, wage ich zu bezweifeln, wenngleich ich auch selbst diesen Vorschlag gemacht habe. Da ich noch mit ihm zusammen im Rat der Stadt Eschweiler gearbeitet habe, weiß ich, was die Weisweiler Bäder für ihn bedeuteten.

Es ist wieder Sommer, zwar nicht so schön wie 2006, aber König Fußball regiert wieder. Es ist Europameisterschaft. Die Spritpreise sind deutlich höher als 2006, aber sie spielen immer noch nicht wirklich eine Rolle, denn die Fähnchen sind wieder da. Warum eigentlich nicht? Es ist schön, dass Deutschland wieder Flagge zeigen kann. In meiner Jugend war das ein echtes Problem.

Ich vermisse die Mauer, die der untere Rand meiner Freibadbühne war, allerdings aus einem anderen Grund, als man jetzt vermuten würde. Wie sich noch im Jahr 2006 herausgestellt hatte, war sie auch ein Schutz vor Sturm und Wetterkapriolen. Nun warte ich darauf, dass auch auf meiner Seite der neuen Straße ein Haus gebaut wird, damit ich wieder in den Windschatten komme. Vielleicht ziehen dann dort die zukünftigen Spielkameraden für Jana und die Zwillinge aus dem Baby-Express ein.

Ein Freizeitgelände wird zum Wohngebiet. Dieser Wandel hat etwas zerstört, das mir sehr viel bedeutet hat. Wenn er allerdings das Kinderlachen aus meiner Jugend und aus dem Jahr 2006 auf die Straße zurückbringt, ist er ein untrüglicher Beweis für den Kreislauf des Lebens. Dieser wurde mir allerdings auch schon vorgeführt, als die Mauer noch stand, denn einer meiner Söhne hatte das gleiche Vergnügen an ihr wie ich und urplötzlich befand ich mich in der Situation meiner Mutter.

Mittlerweile sind die Außenarbeiten am ersten Haus fast beendet und es beginnen die Arbeiten im Inneren. Der Abbruch des alten Freibades ist nach zwei Jahren in Aufbau übergegangen und Aufbau bedeutet Kinderlachen, wahrscheinlich X-Chromosom bedingte Ultraschall-Attacken auf Fledermäuse oder liebevolle Ansprache unter Jungen.

Sollten Jana und die Tochter der neuen Nachbarn gerne Fußball spielen, habe ich eine schlechte Nachricht für sie: Schade, Mädels, die Mauer ist weg.