Entschuldigung!

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Wie gesagt: Lehrer sind für alles verantwortlich. Beispiele gibt es zuhauf. Vor allem erweitern sich seine Kompetenzen und Arbeitsbereiche täglich. Neuerdings auch in Bereiche, die bisher den Eltern vorbehalten blieben.

Die Situation ist alltäglich, die Vorgehensweise variiert je nach Geschmack. Einer meiner Schüler, nennen wir ihn Dennis fehlt am Montag im Unterricht. Der Entschuldigungsgrund war nicht alltäglich, aber Dennis steht auch nicht bei mir im Verdacht, sich das auszudenken.

Die Mitteilung des Vaters ist so nett, dass ich sie einfach wiedergebe.

„Unser Sohn Dennis begab sich heute morgen pünktlich zur Bushaltestelle. Laut seiner Schilderung ist jedoch am heutigen morgen der Bus nicht fahrplanmässig an der Haltestelle erschienen. Auch der Folgebus ist nicht angekommen, um die Schüler dort aufzunehmen. Da meine Frau und ich zu der Zeit bereits unsere Arbeitsplätze erreicht hatten, bestand für Dennis nicht die Möglichkeit zur Schule zu kommen. Eine Entschuldigung zu verfassen, finde ich hier nicht angebracht. Ich bitte Sie sich diesen Umstand durch die Kreisbahn bestätigen zu lassen. Da es nun mal ein Verschulden der Kreisbahn gewesen ist, dass unser Sohn heute nicht zum Unterricht erscheinen konnte. Sollte sich jedoch etwas anderes als das oben geschilderte ergeben, dann bitte ich Sie mich davon in Kenntnis zu setzen.“

Also übersetzt: Mein Sohn konnte nicht kommen, ich hab getan, was ich konnte, nämlich nichts und den Rest machen Sie bitte selbst, weil wir nichts dafür können. Sollten Sie bei Ihren Bemühungen zu dem Ergebnis kommen, dass hier was nicht stimmt, interessiert mich das brennend, aber nur, wenn Sie was unternehmen.

Eigentlich hätte ich ihm antworten müssen:

„Es freut mich sehr, dass Sie mir so viel Kompetenz in der Erziehung Ihres Nachwuchses übertragen. Aber leider fühle ich mich komplett überfordert, denn ein Anruf bei der Kreisbahn übersteigt mein Organisationstalent. Außerdem sehe ich mich außer Stande zwischen Ihnen und Ihrem Sohn zu moderieren, da ich bereits mit diesem Anruf Ihre Funktion übernommen hätte und damit in Ihre Rolle geschlüpft wäre. Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn Sie Ihre Verdachtsmomente gegenüber Ihrem hoffnungsvollen Nachwuchs aus eigener Kraft untermauern.“

Stattdessen bleibt der Lehrer natürlich sachlich, denn er möchte ja das Gute im Menschen befördern. Schade ist nur, dass manche Eltern das nicht verstehen:

„Dennis zählt nicht zu den Schülern, denen ich bewusstes Blaumachen unterstelle. Insofern akzeptiere ich Ihre Erklärung auch ohne nähere Überprüfung. Wäre diese notwendig, müsste ich allerdings Sie bitten, dies # mit der Kreisbahn zu klären.“